Entspannung

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Ent|span|nung [ɛnt'ʃpanʊŋ], die; -, -en:
1. das [Sich]entspannen:
bei seinem Hobby Entspannung finden.
2. Abbau politischer und militärischer Spannungen:
eine weltweite [Politik der] Entspannung; zur Entspannung [der Atmosphäre] beitragen.

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Ent|spạn|nung 〈f. 20; unz.〉
1. das Entspannen, Lockerung der Spannung, Entkrampfung
2. das Sichentspannen, Ausruhen
● politische \Entspannung; geistige, körperliche \Entspannung

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Ent|spạn|nung , die; -, -en:
1. das [Sich]entspannen (1).
2. Abbau politischer u. militärischer Spannungen:
eine weltweite, globale E.

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Entspannung,
 
1) Physik: thẹrmodynamische Entspannung, der Übergang eines Gases von einem Zustand höheren Drucks in einen mit niedrigerem Druck (z. B. durch Expansion oder durch Drosseln); dabei kühlt sich das Gas ab (Joule-Thomson-Effekt).
 
 2) Politik: französisch Détente [de'tãt], im weiteren Sinn der durch Abrüstung sowie durch politische und wirtschaftliche Vereinbarungen geförderte Prozess des Abbaus von bi- oder multilateralen Konflikten und Maßnahmen zur Vermeidung neuer Spannungen zwischen Staaten beziehungsweise Staatenblöcken. Im engeren Sinn während des Ost-West-Konflikts die Gesamtheit der Bemühungen, den machtpolitischen und ideologischen Gegensatz zwischen der UdSSR und den USA (und den mit ihnen verbundenen Staaten) durch Maßnahmen der Abrüstung, Zusammenarbeit und Vertrauensbildung zu entschärfen. Die vom Gedanken der Entspannung getragene Außenpolitik ging von den gemeinsamen Interessen der beiden Machtblöcke aus, die besonders in der Verhinderung eines Krieges zwischen ihnen sowie im wirtschaftlichen und kulturellen Austausch bestanden. Darüber hinaus wirkte jedoch auch die Tendenz, v. a. bei den beiden Weltmächten USA und UdSSR, ihre Einfluss- und Machtsphäre durch Absprachen und Verträge zu sichern oder auszuweiten.
 
Mit der Kubakrise (1962) erreichte die Konfrontation der Machtblöcke ihren Höhe- und Wendepunkt. Zwischen 1963 und 1979 kam es im Sinne einer Entspannung zu zwei- oder mehrseitigen Vertragsabschlüssen. Die Verstrickung der USA in den Vietnamkrieg sowie die Bedrängnis der UdSSR besonders durch ihren Konflikt mit der Volksrepublik China begünstigte in den 60er- und beginnenden 70er-Jahren das Verhandlungsklima zwischen den Weltmächten. In Europa fügten sich die neue Ostpolitik der Bundesrepublik Deutschland (seit 1969/70) und die Bemühungen der europäischen Staaten auf der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und ihren Nachfolgekonferenzen in diese internationalen Bemühungen ein. Die führenden Länder der Dritten Welt entwickelten eigene Initiativen (blockfreie Staaten). In der zweiten Hälfte der 70er-Jahre (besonders nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan im Dezember 1979) verschärften sich jedoch wieder die Ost-West-Spannungen (v. a. auf rüstungspolitischem Gebiet); Ausdruck dafür war u. a. der NATO-Doppelbeschluss von 1979. In der zweiten Hälfte der 80er-Jahre ermöglichten die sowjetische Reformpolitik (insbesondere ihre entspannungspolitische Komponente, das »neue Denken«) und das allmähliche Abrücken der Sowjetunion vom Hegemonieanspruch im Ostblock eine sicherheitspolitische Annäherung zwischen den USA und der UdSSR und damit eine grundsätzliche Verbesserung der internationalen Beziehungen, die sich u. a. im Abschluss verschiedener Abrüstungsvereinbarungen äußerte. Diese Entwicklung führte - insbesondere seit der gesellschaftlichen Umwälzung in Mittel- und Osteuropa 1989-91/92 - zum Abbau der starren militärischen Blockkonfrontation und zum Ende des Kalten Krieges; sie wurde auch zu einer wichtigen Voraussetzung (erfolgreiche Zwei-plus-Vier-Verhandlungen 1990) für die Wiederherstellung der Einheit Deutschlands.
 
Nach dem Ende der kommunistischen Regime in Europa und dem Zerfall der multinationalen UdSSR brachen im Zusammenhang mit der Veränderung der politischen Landkarte (Konstituierung neuer unabhängiger Staaten) auch neue beziehungsweise vorher durch die Blockkonfrontation oder Systemzwänge überdeckte zwischenstaatliche Spannungen aus, die zum Teil in militärische Auseinandersetzungen mündeten (z. B. auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien, zwischen Armenien und Aserbaidschan). Eine wichtige Rolle bei der Konfliktlösung beziehungsweise dem Abbau von Spannungen fiel internationalen Zusammenschlüssen wie UNO, EU, NATO und der (1995 aus der KSZE hervorgegangenen) Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zu, die sich allerdings erst unter Schwierigkeiten (v. a. hinsichtlich ihres geschlossenen Handelns und der Instrumentarien der Konfliktbeilegung) auf die neuen weltpolitischen Herausforderungen einzustellen vermochten. Die langwierige Kontroverse der USA u. a. westlichen Staaten mit Russland über eine »Osterweiterung« der NATO offenbarte erneut den hohen Stellenwert sicherheitspolitischen Rücksichtnahmen für den weltpolitischen Entspannungsprozess.
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Abrüstung · Friedenssicherung · heißer Draht · INF · Kernwaffensperrvertrag · MBFR · SALT · START · Teststoppabkommen
 
 
U. Görtemaker: Die unheilige Allianz. Die Gesch. der E.-Politik 1943-1979 (1979);
 
E.-Begriff u. E.-Politik in Ost u. West, Beitrr. v. R. Dirnecker (1979);
 R. Seidelmann: Die E.-Politik der Bundesrepublik Dtl. Entstehungsursachen, Konzepte u. Perspektiven (1982);
 H. Haftendorn: Sicherheit u. E. Zur Außenpolitik der Bundesrepublik Dtl. 1955-1982 (1983);
 
Zur Lage Europas im globalen Spannungsfeld, hg. v. der Dt. Gesellschaft für Friedens- u. Konfliktforschung (1983);
 G. Walpuski: Verteidigung + E. = Sicherheit (51984);
 
Die Zivilisierung des Konflikts. Auf der Suche nach einem Konzept für die zukünftige Gestaltung des West-Ost-Verhältnisses, hg. v. J. Calließ, 2 Bde. (1989-90).
 
 3) Psychologie: Zustand gedämpfter Reaktionsbereitschaft während des Wachseins; mit Verlangsamung der Atmung, Absinken der Herzschlagfrequenz und der Muskelspannung (bei oft gleichzeitiger hoher geistiger Konzentration). Entspannung kann durch verschiedene Techniken (Meditations- und Biofeedbackverfahren, autogenes Training u. a.) herbeigeführt werden. Wegen ihrer Stress abbauenden Wirkung findet sie breite Anwendung v. a. in der Psychotherapie und in der Schmerzbekämpfung (z. B. bei der Geburtshilfe).

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Ent|spạn|nung, die; -, -en: 1. das Entspannen (1): bei seinem Hobby E. finden; um sich in seliger E. den Klängen ... hingeben zu können (Hildesheimer, Legenden 13); E. im Stil der neuen Zeit (Abendpost Nachtausgabe 11. 10. 74, 12). 2. das Entspannen (2); Abbau politischer u. militärischer Spannungen; Détente: eine weltweite, globale E.; für E. und Vermehrung der politischen Kontakte eintreten; Nun spricht Vadier, dessen Geschwätzigkeit eine gewisse E. herbeiführt (Sieburg, Robespierre 251); möglichst viele Züge dieser militärischen -en auf deutschem Boden stattfinden zu lassen (Augstein, Spiegelungen 74); zur E. [der Atmosphäre] beitragen.

Universal-Lexikon. 2012.

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